Clash:
tonisch klonisch generalisiert

Das bessere Leben ist möglich, irgendwo hier draußen im Weltraum
Wir haben das ja gestern schon geklärt: Mit irgendwas muss man anfangen, und mit irgendwas muss man aufhören. Und mit „Clash“ vom Jungen DT anzufangen, war eine gute Idee: „Clash“ ist music for the masses und für volle Häuser. Es geht um Integration und um das große rote Buch Thilo Sarazins.

Ein Raumschiff landet auf einem fremden Planeten, dem Planet of the Apes scheinbar, auf dem die Menschen die Vorherrschaft schon lange an faschistoide Affen verloren haben. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, interessieren sich die Menschen sich doch nur noch für Chicken Wings und begraben ihre Kinder (Chantal & Kevin) nicht mal mehr im Blumenkasten sondern im Eisschrank, unter den Chicken Wings. Die Menschen sollen sich in das an T.S.s Buch modellierten Affengesellschaft integrieren oder auch nicht, versuchen es unwillig aber dringlich, bekommen einen Integrationsbambi verliehen, scheitern und verwirklichen mit abtrünnigen Affen vögelnd kurz eine Melting-Pot-Idee, um dann den Clash of Cultures mit Maschinenpistolen und Zwangsbekehrung fortzusetzen; allem um die Argumente und Typen, Geschichten und Klischees des Integrations-Diskurses abzuarbeiten.

Blöde nur, dass die Story, der Bogen und die Argumente wie ein geflipperter Stein immer wieder hart aufschlagen und dann doch nochmal weiterfliegen – dass das Stück also in seinen schlechtesten Momenten etwas von einer Nummernrevue hatte, deren Teile sich nicht zu einem großen Diskursstück zusammenfügen wollten. Vielleicht ist der Debatte um das I-Wort wirklich nicht beizukommen. Mit nichts. Niemand. Hoffentlich vielleicht doch, dann aber anders.

Ich will eine Drehbühne und einen Fuchsschwanz und einen Mond, oder eine rote Sonne
Ich möchte mir eine Drehbühne einbauen lassen. Ich stelle mir vor, wie ich dekorativ auf einer Recamiere liege und mich langsam durch das Wohnzimmer drehe und dabei gut aussehe.

Gestern Abend waren viele Dinge großartig gemacht. Zum Beispiel der Absturz des Raumschiffes, für den Rollhocker und Muskelkraft genügten (party people in the house say yeah) oder die Autofahrt in die grüne Landlusthölle: Hocker, Fuchsschwanz und Lenkrad. Oder dass dieses Stufendings Landhaustraum, Showtreppe im Eurovisionsongconteststil, U-Bahn-Ausgang sein konnte.

Ich hab ins Licht geguckt, in eine rote Elisson-Sonne und in das blaue All, wir sahen phallische Bleistifte, die dann zu Türmen einer Moschee wurden und ein riesiges Pendel. Manche dieser Dinge waren vor allem groß. Nicht, dass sie nicht gut ausgesehen hätten. Aber sie waren so groß, so wuchtig und so sehr gemacht, dass man sie immerzu angucken musste.

Tonisch klonisch generalisiert und Zur Sache, Schätzchen
Um diese Dinge, von denen ich bisher geschrieben habe, muss es natürlich auch gehen. Aber nicht vor allem.
Gestern Abend haben wir eine Gruppe junger Menschen auf der Bühne gesehen, die gespielt haben, gesungen, musiziert, sich ausgezogen, getanzt. Die alles gegeben und viel preisgegeben haben.
Denen wir so spannende, lustige, traurige, romantische, kluge, reflektierte Miniaturen verdanken wie die Geschichte vom Umzug aus der Platte nach Hohensprenz-Ausbau. Oder so wunderbare Bilder wie das der aus dem Kubus ragenden Beine in unsäglichen Trainingsanzügen. Oder die tonisch-klonisch-generalisierte-Grand-Mal-Krämpfe* der (Opfer? Insassen?) Nutzer der I-Maschine. Oder immer wieder lustvoll ironisch gebrochenen, immer weiter aufgedröselten (Theater-)Immigranten-Klischees. Es sah so aus, als hätte es Spaß gemacht. What a fucking orgy. Darum gehts.

Foto: Dave Großmann