Cage: Gefangen im Konzept

In ihrer Produktion „Cage“ will iMove, die Jugendtanzgruppe des Balletts des Saarländischen Staatstheaters, geleitet von den Choreografen Guido Markowitz und Daniela Rodriguez Romero, ein bestimmtes Thema verarbeiten: Wie das Programmheft verrät, sollen hier tänzerisch Zwänge, unter denen die Jugendlichen stehen, ihre gefühlten „Gefängnisse“, verhandeln werden. Und so beginnt das Stück auch damit, genau dieses Bild inszenieren: Zur tickenden Musik bewegt sich roboterhaft eine Gruppe Jugendlicher. Sie sind identisch ausstaffiert mit silbernen Perücken. Vor dieser Gruppenchoreografie werfen sich einige völlig weiß vermummte Solisten in Posen und umtanzen zwei Käfige. Ein atmosphärisch aufgeladener, bedeutungsschwerer Einstieg, bei dem jede Bewegung, jedes Requisit eine symbolische Bedeutung verspricht: die Krone auf dem Kopf eines breitbeinig Posierenden, das abrupte Herumwerfen der Arme, wie fremdgesteuert.

Aber diese Anfangssequenz ist keinesfalls repräsentativ für den Rest des 60-minütigen Stücks. Die Bild- und Körpersprache, derer sich iMove hier bedient, wird nicht konsequent durchgezogen. Verspricht „Cage“ zu Beginn eine Erzählung über Gefängnisse, so löst die Produktion dies nicht ein. „Cage“ zerbricht in einzelne Szenen, wird zu einer Abfolge von einzelnen Tänzen. Und gerade in diesen Tänzen, in denen sich der Bezug zur Gefängnismetaphorik und die Atmosphäre des bedeutungsvollen Robotertanzes verlieren, scheint es, als tanze sich das Ensemble von dem thematischen Käfig frei, das es sich selbst gesetzt hat.

Es führt starke Tanznummern vor, in denen die Bewegungen für sich stehen. Gerade in diesen Bewegungen, die sich dem Erzählerischen entziehen, scheinen die Tänzerinnen und Tänzer sich Zuhause zu fühlen und in ihren eigenen Körpern zu sein. Popping, Locking, B-Boying – die Moves entstammen größtenteils dem Hip Hop. Sie schaffen ein Gruppengefühl, das sich auch auf das Publikum auswirkt. Es reagiert mit spontanem Applaus.

Foto: Dave Großmann Es wäre schön, würde das Ensemble stärker auf seine kraftvolle Gruppendynamik und seine Bewegungsfreude vertrauen, statt sich ein Thema aufzuzwingen. Das Problem von „Cage“ liegt nicht so sehr darin, dass die Produktion fragmentarisch wird, denn die einzelnen Acts sind mitreißend und energiegeladen. Das Problem ist vielmehr, dass „Cage“ immer wieder den Rückbezug zum Anfang, zur Darstellung von Gefängnissen sucht.

Bei der Nutzung der Requisiten und Medien wäre weniger mehr gewesen: So erschließen sich die Videoprojektionen nicht. Vielmehr nimmt die Projektion den Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne die Präsenz.

Häufig werden Kostüme gewechselt. Das sorgt für eine fröhliche Abwechslung. Doch am Anfang haben in „Cage“ die Kostüme – die silbernen Perücken, die schwarzen Hosen, die weißen Hemden – etwas zu sagen. Und so stellt sich später die Frage, ob das bei all den anderen Kostümen immer noch der Fall ist.

Und doch schafft es „Cage“ an vielen Stellen, aus seinem eigenen Käfig auszubrechen. iMove kann sich im Tanz feiern und lässt das Publikum spüren, wie einfach es ist, mitzufeiern.

Fotos: Dave Großmann