Blaubart:
Kein Text über
Emanzipation

Wie Blaubart einmal im Gymnastikraum der Freien Waldorfschule Berlin seinen Namen tanzte

Am Anfang hat man sie in die Turnhalle gesteckt. Die Turnhalle, die so schön ist, aus Holz mit großen Fenstern. Irgendwann haben sie dann festgestellt, dass er da ganz prima hinein gepasst hat: Blaubart, der Frauenmörder, Blaubart, der Damenschuhverkäufer.

Die Theater-AG „Beate und die greenhorns“ der Freien Waldorfschule Berlin-Kreuzberg präsentieren heute Abend das gleichnamige Stück von Dea Loher. Der Text aus der Gegenwartsdramatik liest sich gut. Vor allem passte er zur Besetzung. An einzelnen Stellen hat die achtköpfige Gruppe Veränderungen vorgenommen: „Der Text ist schön, aber er ist nicht einfach auszufüllen!“. Letztes Jahr in den Osterferien haben sie mit den Proben angefangen. Seitdem wurde das Stück bereits sieben Mal aufgeführt.

Die Frauen, die hier auftreten werden, haben Wunschvorstellungen von ihrem Objekt der Begierde. Natürlich haben geht es auch um Geschlechterkonstruktionen. In der Gesellschaft und in den Medien werden Bilder transportiert, davon, was es heißt, weiblich oder männlich zu sein. Aber in diesem Stück sind die Frauen dominant. Der Mann wird Objekt: Frau dreht des Spieß um.

Ich soll in diesem Text aber nicht über Emanzipation schreiben, empfehlen die greenhorns. Das ist ok. An dieser Stelle schließe ich deshalb, nach Vorschlag der Gruppe mit dem Aschenputtel-Zitat: „Ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh!“

Foto: Dave Großmann