Blaubart:
Die Liebe – eine verflixte
Turnübung im Puppenstaat

Über den Text müssen wir definitiv nicht streiten: Dea Lohers “Blaubart – Hoffnung der Frauen” besticht durch perfekt beiläufige Grausamkeit. Man hat das Gefühl, alle paar Minuten entlade sich die Situation in Form eines verbalen Faustschlags.

Aber hier soll es um die Inszenierung gehen, also fangen wir von vorne an: Die Charaktere waren keine Charaktere, sondern Oberflächen.

Zwischendurch kam das Gefühl auf, Zuschauer einer absurden Talkshow oder Zirkusshow zu sein. Die Puppenkleider rauschten und die Grazien kleideten ihren Heinrich kurzerhand selber ein. Was erst irgendwie niedlich wirkte, kippte dann in grausame Passivität. Die Szene war jedenfalls wirkungsvoll.

Die Damen forderten, und Heinrich, autistisch und verzweifelt, unfähig zur moralischen Handlung, gab nach. Selbst bei der Beihilfe zum Mord blieben diese Damen noch Dominas: Sie hatten es faustdick hinter den Ohren.

Die Idee, den Text in einem Gymnastikraum zu inszenieren, war genial, nur leider wurde das Potenzial kaum ausgeschöpft. Die Turngeräte waren gestern mehr Spielzeug, manchmal gar Dekoration. Warum überhaupt Musik eingespielt wurde und danach als Element völlig verschwand, bleibt mir ein Rätsel. Ich mochte die Kälte, die durch die Künstlichkeit der Figuren und der Requisiten provoziert wurde: Da war nur ein Stück unblutiges Fleisch, kein Herz, das Jungfrauenblut kam aus der Kunstblutflasche. Wenn geraucht werden sollte, dann “tat man nur so”. Die Inszenierung wirkte wie eine Probe, ein Gefühl, das gut passte zum Text: Die Grausamkeiten der Liebe spielt man nur theoretisch durch, nicht praktisch.

Dann das Abschlussbild, das in Erinnerung bleibt: Heinrichs Leichen liegen nicht im Keller, sondern stehen hinter dem Eisernen Vorhang, der dann langsam hochgefahren wird: Ein lebendiger Albtraum, der bleibt.

Foto: Dave Großmann