„Bartleby“:
Clean Desk Psychopolitics

You see me I be work, work, work, work, work, work – Rihanna


Am Anfang war die Kopie.
(…)
Die Kopie war Gott.


So beginnt das Stück. Alles ist unendliche Wiederholung desselben:
Alles ist Kopie, eine Erzeugung aus sich selbst heraus.

Postmoderne Workspaces, flache Hierarchien, Work-Life-Balance, in der das „Work“ in alle Bereich dringt. Das Ensemble KOM’MA stellt uns das kopierwerk vor, ein Start-Up, das „cultural content“ vermittelt, kulturelle Inhalte leicht und snackable serviert. „Levitation“ ist das Stichwort, der Schwebezustand, die absolute Perfektion der Abläufe. „Fundstück der Woche“ heißt die Rubrik des Podcasts, in dem das Fundstück Bartleby vorgestellt wird.

Kurz zusammengefasst: Die Geschichte handelt von dem Kopisten, der sprach „I would prefer not to“ (ja, das ist der Spruch der auf dem T-Shirt des schrulligen Slavoj Žižek aufgedruckt ist) und der seine Arbeit in einer Anwaltskanzlei an der Wallstreet niederlegt und sich letztlich sogar weigert, Nahrung aufzunehmen.

„Abschreiben, kopieren, vergleichen.“ Press on Repeat. Der Beruf des Kopisten fand 1938 sein Ende mit der Kopiermaschine. Sie, die effizient kopiert und verbreitet, ist der nächste Schritt in der Geschichte der Selbstoptimierung. Im Bühnenbild wird der Kopierer sakral erhöht auf einem Altar, heilig sei der Kopiervorgang.

Aber wie Widerstand denken in einer neoliberalen Psychopolitik, in der der Druck nicht mehr von außen auf das Ich einwirkt, sondern aus dem Inneren des Ichs kommt? Wie gegen den internalisierten Druck agieren, in einer völligen Systemimmanenz, ohne ein Außen im geschlossenen Kreis? Etwa durch die Figur des Bartleby, der für Agamben dank seines Vermögens der Negation zur „engelsgleicher Figur der reinen Potenz“ stilisiert wird?

Mit der Zeit nehmen immer mehr Selbstzweifel den Raum ein, die Spieler*innen sagen vom Spotlight beleuchtet ins Mikrofon: „Wer sich nicht selbstoptimiert… der ist doch tot! (…)“ und flüstern an einer anderen starken Stelle des Stücks: „Ich komm manchmal nicht so rein… in mein Ich. Ist nicht so geil. Ich hätte gern ein Halbtags-Ich, das sich für mich selbst verwirklicht.“ Die fluide Maschine des Start-Ups fängt an zu stocken, zu zittern, fehlerhaft zu werden. Die von den Spieler*innen dargestellten, monotonen Arbeitsabläufe werden bis zur totalen Verausgabung getrieben.

Wie lässt sich der Widerstand vermessen? Letztlich zeigt das Ensemble nicht eine Widerstandsform, sondern zeichnet die Bruchstellen, an dem das System eines Tages zerbrechen wird.