Bands for Breakfast II –
The OW’s und Maha Tribe
im Interview

The OW’s

Paul, Jacob und Mirko im Interview Foto: Dave GroßmannIhr habt ein Album aufgenommen. Wie war das für euch?
Das war ein bisschen so wie der typische Folk-Traum.  Wir  sind für zwei Wochen in die Eifel gefahren und haben das Album in einer Blockhütte aufgenommen. Mit altem Teppichboden und Kaminofen.
Dadurch hatten wir sehr wenig Stress. Wir hatten zwar nicht alle Zeit der Welt, aber wir konnten unseren Tagesrhythmus selbst bestimmen. Trotzdem haben wir die gesamte Zeit durchgearbeitet.

Wieso dauert ein Aufnahmeprozess so lange?
Wir haben alles live gespielt, die Spuren aber nacheinander aufgenommen. Man spielt erst einmal, und das klingt auch ganz cool. Wenn man aber die Aufnahmen hört, ist man viel penibler, weil man weiß, dass das in Stein gemeißelt wird.
Viele Dinge im Arrangement fallen auch erst während der Aufnahmen auf. Als Musiker sollte man relativ früh mit Aufnahmen arbeiten, weil man ganz andere Dinge hört.

Haben sich eure Songs dadurch auch noch einmal verändert?
Es sind eher Backings dazugekommen. Bei manchen Songs haben wir Zwischenteile verändert, manchmal aber auch Songtexte umgeschrieben.

Habt ihr die CD auch pressen lassen?
Die ist zurzeit noch in Produktion. Wir hoffen, dass sie um Weihnachten fertig ist.

Wie viele Exemplare wird es geben?
Unter 300 Stück lohnt sich das nicht. Wahrscheinlich werden es etwa 500 Stück. Der Preisunterschied zwischen 300 und 500 Stück ist sehr gering.

Wie finanziert ihr das?
Ungefähr die Hälfte haben wir aus der Bandkasse. Die andere Hälfte steuern wir selbst bei.

Geht ihr damit ein finanzielles Risiko ein?
Wir gehen da nicht ökonomisch ran. Es ist eher so, dass wir drei Jahre gemeinsam Musik gemacht haben. Jetzt gibt es gerade eine Umbruchphase. Da ist es schön, Dinge festzuhalten. Das ist es uns wert.

Ihr sagt, ihr spielt Folk, Rock’n’Roll und Indie-Rock. Wie passt das zusammen?
Wir haben schon viel rumexperimentiert. Wenn man unser Album hört, wird man das merken. Wir haben auch etliche Male gesagt, dass wir unseren Stil gefunden haben. Meistens schreiben wir zwei, drei Songs in einem Stil. Der vierte ist dann aber ganz anders. Für eine gewisse Zeit mögen wir das, schreiben noch einen ähnlichen Song, und dann wird es wieder ganz anders.
Wir sind bisher eigentlich auf jeden Zug ganz gerne aufgesprungen. Es gibt viel zu viele gute Genres, als dass wir uns sagen könnten, wir machen jetzt nur noch das.

Paul und Jacob, ihr spielt auch Streichinstrumente.
Die kommen aber eher selten zum Einsatz. Nur manchmal bei Live-Auftritten.

Welche Rolle nimmt Paul in eurer Band mit seiner dominanten Stimme ein?
Paul: Es ist nicht so, dass ich in der Probe ankomme und sage, Jacob spiel mal das, Mirko spiel mal das. Jeder geht nach seinem eigenen Impuls, und dann entwickeln wir die Songs.

Jacob: Paul könnte sich auch alleine mit einer Gitarre auf die Bühne stellen und den Abend alleine gestalten. Er kann aber auch ganz froh sein, dass er uns hat. Wir sind eine Band und wir würden uns nie „Paul & The OW’s“ nennen.

Mirko: Wir wären nicht an dem Punkt angekommen, an dem wir heute sind, wenn Paul sich vor 3 Jahren zwei Studiomusiker gemietet hätte.
Die Stimme ist in einer Band aber immer prägnant. Dass eine Band den Lead-Sänger wechselt,  kommt nicht vor. Dann ist es eine andere Band.

Jacob: Paul und ich sind auch Waldorfschüler, wir sind viel zu harmoniebedürftig, um uns deswegen zu streiten.

Maha Tribe

Gabriel, Livia, Marcel und Tim (v.l.n.r.) Foto: Antonino Polizzi Ihr habt gerade auf der Probebühne zusammen gejammt.
Gabriel hatte eine neue Songidee, die wollten wir mal ausprobieren. Ihm sind zwei Chords eingefallen, und er hatte eine Idee, wie man das in einem Song umsetzen kann. Das hört sich schon ganz gut an.

Euer Bass steht sehr im Zentrum eurer Musik.
Wir alle haben einen Faible für funkige Basslines. Das findet sich in beinahe jedem unserer Songs wieder.

Ihr habt euch bei einem Musik-Workshop kennengelernt.
Das Musikcamp 2.0 findet jeden Sommer in Berlin statt. Wir haben uns als einzelne Musiker angemeldet und wurden nach Genrepräferenz in Bands eingeteilt, die eine Woche lang in Proberäumen miteinander Musik gemacht haben. Livia  war zuerst in einer anderen Band.

Wie kamt ihr dann zusammen?
Livia: In meiner Band waren wir uns nicht ganz einig, was den Musikgeschmack anging. Wir haben nichts gefunden, was wir alle mochten.
Ich habe die anderen gehört, wie sie Disparate Youth von Santigold gecovert haben. Das klang total cool. Da dachte ich mir, ich schaue mal, was die sonst noch so machen. Erst einmal habe ich dann nur bei diesem Coversong mitgesungen, quasi als Feature. Nach dem Camp haben wir weiter Kontakt gehalten und geschaut, ob wir ein gemeinsames Projekt starten können. Dann wurde ich aber ab Kehlkopf operiert, und die Jungs haben sich erst einmal eine andere Sängerin gesucht. Erst später kam ich dazu.

Wie hat sich euer Stil verändert, seit Livia dabei ist?
Bei unseren ersten Songs wussten wir noch nicht, wo es hingehen soll.  Wir haben viel ausprobiert und geschaut, was wir im Moment gut finden. Mit der Zeit haben wir aber einen relativ ausgefeilten Musikgeschmack entwickelt.
Gerade sind wir in einer Umbruchphase. In Zukunft wollen wir von der Pop-Alternative-Richtung in Richtung Indie-Pop gehen und auch Elektronik-Elemente einbringen, mit MicroKORG und Mikrofoneffektgerät.

Geht man in Berlin als Band eigentlich unter?
In unserem Alter kann das schnell passieren. Wir sind noch komplett unter dem Radar. In Berlin gibt es aber einen Verein (Berlin Music Association), der junge Bands betreut. In diesem Rahmen kommen wir auch regelmäßig zu unseren Auftritten.

Morgen gibt’s bei Band for Breakfast die letzten beiden Bands The Fläsh und Rockfisch im Interview. Wir haben noch nicht gefrühstückt. Bis später.

Foto The Ow’s: Dave Großmann
Foto Maha Tribe: Antonino Polizzi