Aussteigen auf freier Strecke:
Ausgestiegen auf freier Strecke

Voller Begeisterung hätte ich gerne gestern Abend zugeschaut. Aber, um ehrlich zu sein, liebe DTler – und das mag ich versuchen zu sein –, gestern Abend hat Euch jegliche Körperspannung und Artikulationsluft gefehlt, um mich mitzureißen. Und auch, wenn ich davon absehe und nur das Thema und Eure Mittel betrachte, bleibe ich ratlos mit der Inszenierung.

Zunächst weiß ich nicht, was Ihr mir erzählen wolltet. Soll heißen: Warum ist es gerade die DDR, mit der sich diese sieben jungen Menschen auseinandersetzen? Nicht nur welche Meinung, sondern auch warum ihr sie mir artikuliert, hätte ich gerne erfahren. Wenn zwei Figuren als Flüchtlinge über den Tisch klettern und dann aufatmen: „Wir haben es geschafft!“ dann denke ich daran, dass an dieser Mauer Menschen erschossen wurden und Eure Tischszene im Grunde zwischen Frechheit und Naivität auseinanderfällt. Das Erschießen wurde auch thematisiert, ja, aber es wurde nicht verbunden mit der Szene, die begleitende Angst kam nicht rüber. Und selbst, wenn es keine realistische Darstellung sein sollte, so fehlte mir die klare Positionierung zum Nicht-Realistischen. Ich stelle mir vor, dazu muss es in größtmöglicher Übertreibung ironisiert oder gebrochen werden.

Konkret heißt das: Körperspannung und Bewusstsein für das Ziel der Szene, sowie ein Verständnis für das Ironische in ihr. Klar war mir gestern Abend nicht, was Euer Spielkonzept ist. Wann habt Ihr Sachen ernst gemeint? Gab es Szenen, die ernst gemeint waren? Wenn ja, welche? Und warum? Gab es Szenen, die nicht ernst gemeint waren?

Eure Mittel waren mir nicht klar. Zu sehen waren eine Projektion vom Tageslichtprojektor, eine Videoprojektion mit Mauerschiebenden, zahlreiche Zettel mit Notizen und Fragen im Raum verteilt – aber das Stück hat das alles nicht gebraucht. Das Stück und auch ein bisschen Ihr als Spieler standen neben den Requisiten und haben diese Museumslandschaft in einem scheinbar zufälligen Kontinuum bespielt.

Viel interessanter hätte ich gefunden, was IHR mir zu sagen habt, was Euer Anliegen ist, DDR- und BRD-Bewohner wieder aufleben zu lassen bzw. ihre heutigen Ansichten nachzuspielen. Vielleicht wisst Ihr es, aber gestern kam nicht rüber, was zum Lachen, was zum Weinen und was zum Wütendsein gedacht ist. Ich habe Eure Positionierung nicht sehen können und somit hat mir schnell die Motivation gefehlt, Euch zu folgen.