Ausarten: Whatever

Und dann ist es soweit: Das Marimbaphon klimpert seit gefühlten Stunden vor sich hin, im Hintergrund laufen irgendwelche Trümmer-Bilder vorbei, die Klarinette tönt Bedrückendes. Als die Szene endlich vorbei ist, kommen die großen Fragen: Ob das nun Kunst sei. Und dann der Todesstoß aller Fragen: “WAS ist Kunst?” Ich schalte ab, steige aus – seltsame Unberührtheit ist es, die mich überfällt, aus dem Innersten meines prachtvollen Körpers, durch alle Organe einmal durch, ellenbogendrängend nach oben, aus dem Mund, da kommt es aus mir heraus, dieses eine Wort: Whatever.

Es ist kein: Schrecklich, schrecklich, warum wird so etwas aufgeführt? Ich verlasse den Theatersaal und habe keine Denkanstöße und Ideen mitgenommen, über die ich mich mit anderen Festival-Teilnehmern unterhalten könnte. Die Redekreise im Garten bilden sich, das Bier in der Hand, und es passiert etwas Seltsames: Ich spreche darüber, dass ich nicht über „Ausarten“ sprechen kann.

Und das ist nicht einmal der Produktion an sich geschuldet. Das Stück nutzte die große Bühne sehr gut aus, es war viel Körperlichkeit im Spiel, auch wenn nicht immer so präzise, wie man sich das vielleicht gewünscht hätte, es gab sogar eine direkte Interaktion mit dem Publikum, ganz am Anfang, die nicht zu aufgesetzt wirkte, der eine oder andere Gag saß: Meine Sitznachbarin ist vor Lachen vom Stuhl gefallen. Die Schauspielerinnen und Schauspieler spielten oftmals mit der notwendigen Ausdruckskraft, auch an den Instrumenten, auch wenn hier und da ein wenig mehr Körperspannung sicherlich nicht geschadet hätte.

“Ausarten. Um uns und um die Kunst!” ist, so will ich das jetzt einfach mal nennen, Zielgruppentheater gewesen. Es wurden Fragestellungen aufgeworfen, die zwar mich zutiefst peripher tangierten, von vielen anderen Zuschauerinnen und Zuschauern allerdings sehr positiv aufgenommen worden sind – siehe dazu auch unsere “Stimmen zum Stück”. Es fällt schwer, diese sympathische Gruppe dafür zu verurteilen, dass ich keinen Einstieg gefunden habe – ich scheine nämlich gar nicht angesprochen worden zu sein. Es ist so, als würde dir von links jemand auf die rechte Schulter klopfen – man dreht sich in die völlig falsche Richtung, sucht fragend nach der Ursache, wendet sich dann aber wieder seinem eigenen Kram zu.

Foto: Dave Großmann