Ausarten:
Die Teebeutel der Kunst

TAGGS aus Schwerin präsentieren „Ausarten“. Wir präsentieren: TAGGS.

Jonathan Meese, Elefant terrible der deutschen Kunstszene, erklärte einmal in einer Fernsehdokumentation, dass die Zutaten für die Kunst eigentlich immer schon gegeben seien, man solle sich da ganz einfach eine Tasse heißes Wasser vorstellen. Hinzu füge man dann den Künstler, der sei der Teebeutel und mische alles durch, auf dass etwas Neues entsteht.

Die Schweriner Gruppe TAGGS packt das Thema Kunst und Künstlertum beim Schopf: Es geht nicht um dich oder um mich, es geht um uns und die Kunst. Also um eine schöne Tasse heißen Tee.

„Kunst, das bezeichnet jede gezielte menschliche Tätigkeit, die nicht eindeutig durch Funktion festgelegt ist“ – Ist es heute überhaupt noch erstrebenswert, Künstler oder Künstlerin zu sein, hält man das Künstlertum überhaupt aus, hat man eigentlich Talent? Die Schweriner lassen immerhin verlauten: Scheitern ist total okay.
Die neun Darstellerinnen und Darsteller haben ein halbes Jahr an ihrer Produktion gearbeitet. Alle kommen aus verschiedenen Disziplinen, Kunst LK und Bigband, Fotografieren und Schreiben, jeder hat vom anderen gelernt. In der Zusammenarbeit haben sie gemerkt, dass das Thema Kunst bei allen ähnliche Gefühle und Probleme hervorrief. Vor allem: „Der Bildungseffekt von Kunst wird in der Gesellschaft völlig unterschätzt!“ Zentralwunsch der Gruppe: „Wir wollten, dass unsere Eltern das Stück sehen und dass sie uns und die Quintessenz des Themas verstehen. Es liegt uns am Herzen!“

Ob das, was man liebt, von anderen als Kunst bezeichnet wird oder nicht, ist gleichgültig. Wichtig vor allem, dass man das macht, was einem selbst gefällt und dass man dabei nicht gestört wird.
Zum Schluss rutscht es ihnen aber doch noch raus: Dass die Kunst öfters missbraucht wird, dass Menschen spießig in Jobs vor sich hin leben, die sie nicht mögen und einen trotzdem mit ihren Sprüchen verunsichern, weil sie zu wissen meinen, was falsch sei und was richtig. „Studier Biochemie und nicht Kunst!“ Man kann Kunst ja immer noch als Hobby machen. „Das tut richtig weh.“
Und was haben sie gelernt?

Wie genial Cross-Over-Projekte sind, dass Theaterspielen doch nicht so toll ist („nicht meine Kunstform“), dass man sich jetzt weiter an Schauspielschulen bewerben wird, dass man Kunst nicht „professionell“ machen will, weil man den Druck nicht aushält, dass man jetzt ein Freies Soziales Jahr Kultur machen wird, all das, man zieht Resümee und artet aus. Heute Abend werden wir alle zu Teebeuteln.

Foto: Dave Großmann