Ausarten: Artig

Fangen wir noch einmal ganz von vorne an.
Vorne, das hätte in „Ausarten“ alles sein können, jede Szene die erste oder die letzte. Diese Beliebigkeit herrschte nicht nur zwi-schen den Szenen, sondern auch in ihnen: Mir wurde kein Raum geöffnet, in dem ich Figuren und Persönlichkeiten finden konnte, sondern einer, der – wie schon im Pro-grammheft angekündigt – Bestand aufnahm, sammelte.

Pro und Kontra, das Eltern-Lehrer-Fakten-Stimmengewirr in unseren Köpfen ist uns allen bekannt. Dass Tanz, Literatur, Musik usw. Antworten sind auf die Frage „Was ist Kunst?“, auch. Schön wurde es dann, wenn die verschiedenen Arten sich gegenseitig aufwerteten. Als alle spürten, dass die Atmo-sphäre der Fotos durch die Musik eine ganz andere ist.

Auch die Frage nach der Weltfremdheit des Dichters wurde interessant umgesetzt: Einer-seits die unbewegte Projektion, die rein ge-dankliche und deshalb schwarz-weiße Aus-einandersetzung mit etwas (der Nordsee). Andererseits die Möglichkeit, unsere Stim-men zu nutzen, sie darauf zu legen und dadurch „nur mit uns selbst“ eine Situation zu erzeugen, zu färben.

Überhaupt war da viel Wille zu Farbe, Bewe-gung, Wortspiel. Schade nur, dass die Vor-stellung der verschiedenen Stimmen und Kategorien Vorstellung blieb und mehr nicht wurde. Es wurde keine neue Antwort, kein Heraustreten, kein Ausarten.

Foto: Dave Großmann