Anne Frank und ich –
Pickelalarm

Pubertäre Mädchen, die braucht eigentlich echt keiner. Ihre Welt dreht sich einzig um sich selbst. Nichts scheint zu passen, der Körper, die Freunde, die Annerkennung der Anderen, die Familie und das Ich. Was bin ich wer, will ich sein? Alles liegt im Argen, selbst die eigenen Gedanken. Da muss entworren, ausgesprochen werden, um Dinge fassbar zu machen. Es wird Tagebuch geschrieben über all diese Nebensächlichkeiten die die Welt bedeuteten und damit ordnet sich alles vielleicht ein Stück weit. Im Nachhinein beim Lesen, Jahre später schämt man sich für diesen Unsinn, aber natürlich hat auch er seinen Sinn, er gehört schließlich zum eigenen Ich.

Wir sind gestern Abend eingetaucht in die kleine Welt des Erwachsenwerdens, sie ist wohl am besten mit dem Wort Pubertät beschrieben. Es war eine Gratwanderung. Es gab manchmal schöne, sensible und zarte Bilder. Klar und deutlich standen sie im Raum. Aber oft schwankte das Stück auch in die andere Richtung, pathetisch und viel zu emotional schien es mir an vielen Stellen. Ich hätte es mir konsequenter gewünscht, z.B. bei den Requisiten, weniger Text, besser choreographierte Bewegungen und klarere Entscheidungen, was erzählt werden will, wie die Musik verwendet werden soll. Es war eher Theater aus einzelnen Elementen, die sich zu einem Bild ergänzen konnten.

Für manch einen, der vielleicht die Dinge in seiner Jugend nicht so erlebt hat oder als Junge einen anderen Zugang dazu hat, blieb dieses Bild wohl verschlossen. Für die, die sich in den Texten wieder gefunden haben, war es vielleicht eine gute Beschreibung der Grundstimmung junger Mädchen. Aber man muss natürlich auch ganz klar sagen: Das wurde Anne Frank und ihrer Geschichte nicht gerecht. In keinem Fall. Von den Ansätzen her würde ich sagen: Sie hätten Anne nicht gebraucht. Sie hat da auch eigentlich nicht hingehört. Aber irgendwo dann doch wieder. Es ist eine Sache der Betrachtungsweise: mit ein wenig Abstand vom Stück kann ich eines sagen. Es passt zum Thema Pubertät, weil es doch ganz typisch ist, all das auszublenden, was für das eigene Ich nicht von Bedeutung ist.

Foto: Skarlett Rîhner