Anne Frank und ich –
Kein Nazi-Stück

„Emily sind wir.“ Emily ist fünfzehn. Die Ensemble-Mitglieder der „Projektgruppe Theater“ aus Münster sind es schon nicht mehr, aber das spielt keine Rolle. Sie alle spielen Emily, denn um sie dreht sich das ganze Stück. Eines Tages bekommt sie das Tagebuch der Anne Frank in ihre Hände und während sie es liest, entdeckt sie Parallelen zu ihrem eigenen Leben…

Als das Stück das erste Mal ins Gespräch kam für eine Inszenierung, sah es noch ganz anders aus. Es ging um das Tagebuch der Anne Frank und die szenische Umsetzung davon. Biografie auf der Bühne, ja, aber wessen? Sie wollten nicht das Buch adaptieren, aber die Gefühle. Sie wollten nicht Anne Frank über die Bühne jagen, aber ihre Konturen und ihre Stimme, ihre Sätze und Ansätze über Auseinandersetzungen mit dem Alltag.

Eine halbe Stunde dauert das. Dann ist alles vorbei. Gnadenlos wurden überflüssige Teile gestrichen, Szenen herausgeschmissen. Bauchtanz gab es anscheinend auch, aber den werden wir nicht sehen. Einiges tat weh, es gab viele gute Szenen. „Aber warum sollten wir um den heißen Brei herumreden?“ Gute Frage. Stattdessen gibt es viel Musik, die Situationen untermalt, „wie ein Musikvideo“.

Eigentlich besteht das Ensemble aus mehr als nur den drei Hauptdarstellern und den zwei Spielleitern. Die Technik gibt es auch. In den Gesprächen waren sie mit eingebunden, sind gute Freunde der Hauptdarstellerinnen und offen mit ihren Kritiken und Verbesserungsvorschlägen. Rückmeldung von außen war wichtig; man hat sich fremder Hilfe nicht verwehrt, man hat sie aktiv gesucht und gefunden.

Es soll unspektakuläres Theater sein, persönlich. Als sie in Amsterdam waren, im Hinterhaus der Anne Frank, und in dem winzigen Raum standen, merkten sie wie winzig er war. Unglaublich, wie jemand mit einer anderen Personen zusammen auf so kleinem Platz leben konnte. Dimensionen, sagen sie, hätten sich sodann geändert. Wenn man Anne Frank hört, hört man auch den Krieg. Aber: „Es ist kein Nazi-Stück“, sagt der Spielleiter; „es ist unser Stück“, sagt das Ensemble. Die Markierungen und Grenzen sind gesetzt. Und bitte!