als wär´s ein Stück von mir…:
Wir stellen uns
das Ganze ja nur vor

„Warum wir tanzen?“ fragt uns poco*mania und liefert prompt die Antwort: „Wer tanzt lebt“. Die Gruppe will ihre Vorstellung vom 1. Weltkrieg auf die Bühne bringen.

Am Rande des Manöverfeldes sehen wir Jungen beim kindlichen Spiel, sie wollen Soldaten werden. Der Krieg ist anders, als sie ihn sich vorgestellt haben, bald nach der Musterung schreiben sie ernüchtert Briefe nach Hause. Währenddessen versuchen Jugendliche mit einem Videospiel Krieg zu spielen, bis ihre Phantasie mit ihnen durchgeht und sie aufs Schlachtfeld und ins Feldlazarett führt, wo blutverschmierte Betten stehen. Besonders interessant ist bei dieser Szene das Spiel mit der Videokamera, deren Bild auf eine Leinwand projiziert wird, und die Kamerawinkel, die gewählt werden: Kriegsspielzeuge scheinen überlebensgroß im Vergleich zu den Darstellern, die verängstigt auf der Bühne stehen. Teilweise fühlt man sich in den Geschichtsunterricht der Oberstufe versetzt, spielerisch wird versucht sich dem Krieg anzunähern, ohne ihn realistisch auf die Bühne zu bringen. Das ferne Grollen der Kanonen wird von einem Soldaten naiv für Magenknurren gehalten und als ein anderer hofft, nicht einen Tag vor seinem Geburtstag zu sterben, wird ironisch der 100 Geburtstag des 1. Weltkrieges mit Partyhütchen gefeiert. Rote Luftschlangen sind dabei Teil der Feier, stellen aber auch das Blut der Gefallenen dar.

Das Stück versucht weder zu schockieren, noch erhebt es den Anspruch, allzu viel vom Krieg zu verstehen. „So hättet ihr vielleicht vor Hundert Jahren ausgesehen“, heißt es, als einige der Spieler ihre moderne Kleidung abstreifen. Dieses Gefühl gewinnt der Zuschauer: Vielleicht hat es damals so ausgesehen, vielleicht aber auch ganz anders. Am Ende stellen wir uns das Ganze ja nur vor.

Foto: Dave Großmann