als wär´s ein Stück von mir…:
Kunstprojekt mit Lerneffekt

So ganz freiwillig ist das Interesse des Grevenbroicher Ensembles poco*mania am ersten Weltkrieg nicht…

Die Produktion „…als wär’s ein Stück von mir“ entsteht als Auftragsarbeit zum Thema „100 Jahre Erster Weltkrieg“. Aber Spaß haben sie trotzdem gehabt. Die Grevenbroicher fragen, auf welche Weise sie sich einer so fernen Zeit, einem so fernen Thema annähern können. Sie erzählen eine Geschichte mit unterschiedlichsten Mitteln und versuchen dabei herauszufinden, ob die Jugendlichen vor hundert Jahren vielleicht doch nicht so anders waren, als sie es sind: Da gibt es den märchenhaften Aspekt, die Slapstick-Komik, die überbetonte Sprechweise und fast pantomimische Gestik, die alle einen verfremdenden, teilweise fast absurden Charakter haben. Dokumentarische Ansätze werden über Videoinstallationen vermittelt. Mit ausgefuchsten Technik-Ideen versetzt sich das Ensemble in Kriegszenerien, mit speziellen Aufnahmewinkeln erzeugen sie einen Live-Photoshop-Effekt, eine Egoshooter-Projektion und quietschige Musik brechen die Inszenierung. Trotzdem führen die systematischen Wiederholungen der erzählerischen Mittel meiner Meinung nach zu einigen Längen im Stück.

Aber dass die Grevenbroicher mit Spaß, Erzählfreude und Neugier Theater machen – das merkt man. Ich finde, sie zeigen eine spannende Herangehensweise, sich in einem Schulkontext auf thematisch unbekannte Gefilde zu begeben. Nur die Empörung über „den Mangel an Erinnerungskultur“, der im Stück vor allem am Ende thematisiert wird, kaufe ich ihnen nicht ab: Warum es ihnen persönlich wichtig ist, einen 100 Jahre zurückliegenden Krieg und seine Lebensrealität nicht zu vergessen, können sie mir nicht vermitteln. Die spielerische Leichtigkeit, mit der sie diesen kleinen Geschichtsexkurs gestaltet haben, hat mich dennoch überzeugt. Wäre mein Geschichtsunterricht so gewesen, ich wäre lieber hingegangen.

Foto: Dave Großmann