Almost Lovers:
So fühlen sich Jungenträume an

„Almost Lovers“ vom Jungen Schauspielhaus Düsseldorf war eine Reise durch die Wünsche und Träume von Jungs und halben Männern.
Das Bühnenbild: eine Umkleidekabine, Spinde, Handtücher, eine Bank, die Jungs in Adidas-Streifen. Eine Umkleidekabine, das ist auch Zwischenraum, wie der Raum vor dem Erwachsenwerden.
In ihrer Gang träumen die Jungs davon, groß und stark zu sein. Ihre Fantasien bauschen sich auf wie der Nebel aus der Nebelmaschine, der auf die Bühne geblasen wird. Es spielt „Wild Boys“. Sie legen eine Choreographie hin, und schlagen mit den Fäusten in die Luft. Man denkt: Diesen Jungs ist alles zuzutrauen. Dann bricht die Musik plötzlich ab, und es heißt: „Du musst dein Zimmer aufräumen!“ oder „Du musst das Geschirr spülen!“ Schließlich tanzt man doch nicht wirklich durch die Straßen einer verruchten Stadt. Man muss in die Schule gehen und mit seinen Eltern klarkommen und irgendwie ein Mädchen finden. Der Traum ist zerplatzt.

Dieser Konflikt zwischen Wunschtraum und Wirklichkeit begegnet uns in fünf, sechs, sieben Variationen auf der Bühne. Immer wieder gewinnt ein neuer Traum Gestalt. Zum Beispiel der Traum vom verführerischen Liebhaber, oder der Traum vom Piraten im heldenhaften Fechtkampf, oder der vom Drachentöter, dessen Krönung gefeiert wird. Dabei geht es nicht darum, sich in Klischees zu flüchten, sondern ironisch mit ihnen zu spielen. Und es ist eine Ironie, bei der man nicht einmal weiß, ob sie sich selbst meint oder ihr Gegenteil. Es ist beides zusammen, gespielt mit voller Inbrunst und mit einem Augenzwinkern. Es sind unwirkliche Heldenbilder mit wirklicher Kraft dahinter. Es ist das Material, aus dem Jungenträume gemacht werden.
Einer der Träume dauert am längsten. Die Jungs kaufen sich eine Yacht und fahren aufs Meer hinaus. Ein Boot auf Rädern wirbelt über die Bühne, ein Kapitän wird ernannt, der Jubel ist groß. Doch plötzlich bröckelt der Traum, aber er bröckelt, ohne zu enden. Das Essen wird knapp und auch auf der Yacht muss geputzt werden. Die Probleme des Alltags erscheinen im Traum. Fast hat man das Gefühl, da kämpft eine andere Geschichte um Aufmerksamkeit. Vielleicht ist das ein anderes Theaterstück, das für sich erzählt werden will, aber das ins flotte Tempo der Inszenierung nicht ganz hineinpasst.
Doch schließlich geht auch der Traum von der Yacht zu Ende, und wir spüren: Es könnte eine unendliche Geschichte sein, so lange, wie eine ganze Jugend.

Foto: Dave Großmann