Adam, Eisbär, weiß wer…:
Adam, Eisbär,
wie war das nochmal?

Der Adam, der hat’s ja nicht so leicht. Den Krug zerstört hat er, mag’s nicht zugeben und muss dann auch noch Dorfrichter sein, im Prozess um den vermaledeiten Krug. Da hilft alles Zetern und Stöhnen nichts, das muss gemacht werden, er wurde ja ganz zufallsdemokratisch ins Amt gehoben. Der Falsche wird verdächtig, Intrigen gesponnen, der Generalverdacht erhoben. Alles im Chaos. Unter dem Namen »Adam, Eisbär, weiß wer… « schneidern sich die MitgliederInnen der Theatergruppe der Ernst-Göbel-Schule aus dem Odenland die Basis von Kleists Zerbrochenem Krug auf den Leib und vollführen einen theatralen Parforceritt zwischen dem alten Kleist und zeitgeistiger Mediensatire. Knut, Titanic, Guttenberg: alles da. Wir erleben einen modernen Dorfrichter Adam in den Wirren medialer Verwurstung, die sich auf alles stürzt, was sich an Fressen bietet. Da wird der titelgebende Eisbär verdächtigt und der zerbrochene Krug gerät zur doppelten Tragödie, da auf ihm ja die ganze Geschichte der Titanic eingraviert wäre.

Es wird erzählt in Kleistsprache und Jugendsprache, feinstes Hessisch gebabbelt und musikalisch dauerunterlegt. Wir bekommen die Handlungsebene serviert, die Reflektionsebene durch einen Literaturkurs (»Wie ist denn das jetzt beim Kleist?«), in einer Quizshow wird Kleist-Basiswissen abgefragt. Das geht rasant und spritzig, kaum eine Szene dauert länger als eins, zwei Minuten. Gitarre und Lichtmaschinerie stehen unter Anspannung. Kleist im Remix ist das, die wichtigsten Aussagen werden auch gern noch einmal wiederholt. Viel Chor, alles stilisiert.

Beachtlich ist das Ideensammelsurium des einstündigen Abends, ein hohes Tempo wird vorgegeben. Dennoch fragt man sich an der ein oder anderen Stelle, wo das hinführen soll. Die Verbindung zur Titanic und zum Eisbären Knut ist höchstens fragmentarisch zu verstehen, soll aber anscheinend auch nicht gänzlich erläutert werden. Die Stoßrichtigung des Stück erschien noch wenig fokussiert, Medienöffentlichkeit und Berichterstattung sind als Thematiken vermutlich zu groß, zu vage, als dass sie, sofern sie stärker ausdifferenziert, einen Abend tragen könnten. Weniger Musik hätte man sich an einiger Stelle gewünscht, schien sie doch häufig als reine Untermalung zu fungieren. Da hätte den spielfreudigen DarstellerInnen gut zugetraut werden können, die musikalisch herbeigezauberte Grundstimmung selbst zu erzeugen. Und, eine Kleinigkeit: macht doch den Applaus gemeinsam, Einzelapplaus wird einer Ensembleleistung nur selten gerecht und hebt Einzelne unnötig hervor. Klein und fein bleibt das Stück dennoch, und, wie im Stück selbst formuliert: »Selbst, wenn man nichts versteht, lasst uns trotzdem dran glauben.«

Foto: Dave Großmann