Adam, Eisbär, weiß wer…:
Adam, Eisbär,
wer lacht mehr…

Der ohrwurmbescherende Soap-Jingle, die Wer-wird-Millionär-Quizfragen, die Titanic-Euphorie und die Knut-Vergötterung vermischen sich in »Adam, Eisbär, weiß wer… « zu einem Potpurri an miteinander funktionierenden Elementen der Populärkultur. Diese Elemente sind verwoben in Heinrich von Kleists »Der zerbochene Krug« zusammen mit Schulszenen des Deutschunterrichts über eben dieses Theaterstück. In klug geschnittenen Kleinstszenen inszeniert die Theatergruppe Ernst-Göbel-Schule eine fröhliche Achterbahnfahrt der Ideen.

Der Humor dieser Inszenierung allerdings ist leider unentschieden: Zum einen greift die TEGS auf den volkstümlichen Spaß des starken Dialekts der Figur Ruprecht zurück, zum anderen bereitet die assoziative Erzählweise aus handwerklicher Perspektive einen großen Spaß. Dann wiederum dienen die überspitzten Typisierungen der Figuren – wie beispielsweise die Darstellung der Marthe und Eve – zur Evozierung einer Parodie. Ebenso ist der Knut-Tanz ein Spiel mit gender-behafteten Klischees. Dann allerdings wechselt die Laune wieder zur politischen Satire, als Guttenbergs Rücktrittsrede von Adam plagiiert wird. Ein bunt zusammengewürfeltes Durcheinander. So auch das Bühnenbild. Die optische Ordnung entsteht durch die Einteilung in zwei horizontalen Ebenen: Auf dem Bühnenboden spielen Schauspieler ihre multiplen Rollen, während Adam zunächst allein auf der oberen Ebene, den Doppelbetten, die Aufmerksamkeit durch sein Mienenspiel und seine Körperspannung auf sich zieht. Nicht nur die schauspielerische Leistung, auch die Auswahl der Kostüme ist unterschiedlich gelungen in diesem Stück. Vor allem aber erinnern die silbernen Fühler an Biene Maja – eine populärkulturelle Anspielung, die die bisher gelungene Harmonie der Assoziationen bricht. Hingegen ist der Einsatz des Lichts atmosphärisch wirkungsvoll und stimmig zur inhaltlichen Dimension. Das Licht schafft ästhetische Augenblicke, beispielsweise als Adam sich in rotem Signallicht unter den Betten versteckt. Ebenso ist der durchgehende Klangteppich aus Gitarrenspiel stimmungsvoll und eine nötige Konstante, um die einzelnen Elemente zusammenzuhalten.

Weswegen musste das Stück so schnell enden? Weil es zu atmen vergessen hat. Weil die Effekte und die Witze permanent die Aufmerksamkeit des Publikums fordern. Weil sich rasch und unvorhergesehen die Erzählebenen aneinander reihen. Weil das Stück wie eine Koffeintablette mit konstanter Intensität wirken möchte. Das Herz pumpt und pumpt. Und weil Hyperventilation zum Tode führen kann, darf es nicht länger so weiter gehen. Es wäre um diese Produktion schade gewesen, hätte sie sterben müssen, hätte die TEGS ihre Eigenproduktion verlängert, die Form überreizt. So war es zu Beginn bereits vorauszusehen, dass die Munition schnell entladen sein würde. Ein feiner Festival-Quickie.

Foto: Dave Großmann