90/60/90 Rollenscheiß:
Wir wollen keine
Barbiepuppen sein!

Eine Gruppe junger Mädchen besucht das Barbie-Traumhaus, das für jede von ihnen zum persönlichen Albtraum wird.

Das Backen von Cupcakes entpuppt sich als stressige Hausarbeit und der vermeidliche Traummann Ken wird zum Alkoholiker, der zwischen Arbeit und seiner dauerschwangeren Frau hin- und herläuft – so hatten sich die Mädels ihren Tag im Barbie-Traumhaus, in dem doch alles glitzert und perfekt sein soll, nicht vorgestellt. Das JugendtheaterBüro Berlin macht es sich mit seiner Auseinandersetzung mit den ernsten Themen Diskriminierung und Sexismus nicht leicht. Dennoch gelingt es, das Publikum mitzureißen und die Themen unverkrampft und ohne moralischen Zeigefinger zu behandeln. Die sexistische Darstellung von Frauen in der Werbung wird ebenso kritisiert wie radikale Feministinnen und die Rolle des Mannes in der modernen Gesellschaft: Es ist hier nicht von einer einseitigen Diskriminierung die Rede, sondern von überholten Rollenklischees, unter denen alle zu leiden haben. Heidi Klum-Parodien begeistern das Publikum, jedoch hat der zweite Teil des Stückes auch einige Längen. Ein ernster Monolog schließt unmittelbar an schreiend komische Szenen an, der Zuschauer muss sich schnell umstellen: An dieser Stelle hätte man sich gewünscht, dass die Botschaft subtiler in das Spiel eingebettet worden wäre. Besonders überzeugen kann die Gruppe wieder am Ende des Stückes, als die rosa Tütüs abgestreift werden und alle gemeinsam rappen – hier zeigt sich die Begeisterung und das ehrliche Interesse der Darstellerinnen an ihrem Stück.

Foto: Dave Großmann