90/60/90 Rollenscheiß:
We’re Barbie Girls!

Manche lieben sie, manche hassen sie, die meisten hatten sie.

Ob man Barbie nun für eine Powerfrau und Stilikone hält oder für ein Magerblödi-Role-Model – in der Inszenierung des JugendtheaterBüro wird die blonde Puppe ohne Kniegelenke auf flimmerndem Bildschirm zur tyrannischen Übermutter mit Kieksstimme (dank 1a-Animation).

Love-Story mit Ken, Selbstverwirklichung bei Germany’s Next Flopmodel, Barbie-Umstyling: Im Dreamhouse klingt erst alles so rosarot wie die Tüllröckchen der Möchtegernbarbies, entpuppt sich dann aber als wasserstoffblonder Alptraum ohne Morgen.

Nach Kind x ist nicht mal Ken noch ein Prince Charming, und das ganze Kotzen (90/60/90) nervt. Warum müssen Frauen überall rasiert sein? Der Barbiebildschirm zeigt eine Slideshow mit Busenwerbung, die jeder kennt, aber so geballt umso absurder wirkt. Es heißt, bei sexuellen Übergriffen kommen 70% der Täter aus dem engsten Umfeld der Opfer.

Das Ensemble von „90/60/90: Rollenscheiß!“ zeigt, wie viel Horrorshow in unserem Alltag steckt und wie viel wir selbst tun müssen. Nämlich nicht mitmachen, nicht den Bauch einziehen und sich nichts gefallen lassen. Aber auch andere sein lassen, wie sie sind. Befreien kann man sich nur selbst, das ist eine zentrale Aussage des Stücks.

Bei aller Aussage (die das Ensemble von Femen bis Heidi vielschichtig entwickelt) ist das Stück aber vor allem ein rosa Schaumbad in Kreativität, mit witzigen, natürlichen Spielern, die was zu sagen haben. Meinung so unterhaltsam verpackt – was will man mehr?

Foto: Dave Großmann