90/60/90 Rollenscheiß:
Viel Dagegen – für was?

Rollenscheiß reduziert Frau auf rosa Tüll und blonde Haare

Das JugendtheaterBüro Berlin zeichnet in „90/60/90: Rollenscheiß!“ eine quietschrosa Konsumwelt, in der Frauen zu Barbies gemacht werden. Das klassische Rollenbild Kinder, Küche, Kirche erweitert die Gruppe um neue mediengemachte und gesellschaftlich akzeptierte Klischees. Zu sehen gibt es Topmodels, schlecht bezahlte Arbeitnehmerinnen und eine Parodie auf altgewordene Feministinnen. Die Diskriminierung der Frau ist noch immer Alltag. Ein vielstimmiges Stück, das auch weniger präsente Themen, etwa den Rollendruck auf Männer oder die Sonderrolle der muslimischen Frau, anschneidet, verrennt sich leider in Klischees.

Es ist unterhaltsam zu beobachten, wie sich eine Gruppe junger Frauen in einem lebensgroßen Barbiehaus verirrt und dort die Unterdrückung der modernen Frau freiwillig und gegen Geld selbst erlebt. Doch bald stellt sich die Frage, wer eigentlich diese menschlichen Barbies sein sollen. Reale Frauen scheinen das nicht zu sein, viel eher Reduzierungen wie wir sie aus den Medien kennen. Kann man Diskriminierung wirklich derart begegnen, dass man zuerst sämtliche Klischees bestätigt, dann wütend ablehnt? Und gegen wen richtet sich eigentlich diese Wut? Es wird eine reine Männerwelt heraufbeschworen, die schon lange nicht mehr unserer Realität entspricht. Auch die Aussage, dass die Frau in der modernen Konsumgesellschaft immer gleich Sexobjekt ist, ist fragwürdig. Schließlich sollte es einem modernen Feminismus nicht darum gehen, die Gesellschaft abzulehnen, sondern mitzugestalten. Im Stück gibt es keine Frau, die wirklich Initiative ergreift. Es gibt viel Dagegen, wenig Aussicht, was Frau tun kann für ein emanzipiertes Leben. So viel Passivität erwartet man von den Power-Frauen des JugendtheaterBüros nicht.

Foto: Dave Großmann