90/60/90 Rollenscheiß:
Barbie besiegt

Eine Kampfansage an hartnäckige Rollenbilder

Sie ist Hausfrau-am-Herd und Pin-Up-Girl in einem: Barbie. Eine Handvoll junger Frauen landet im „Barbie Dreamhouse“, einer begehbaren Touristen-Attraktion, und gerät in die ideologischen Fänge der quietschblonden Ikone.

„Ich werde die muslimischen Frauen belehren und die westliche emanzipierte Frau wird mir dabei helfen!“ So droht die fleischgewordene Barbie im Stück „90/60/90: Rollenscheiß!“ vom Jugendtheaterbüro Berlin. Sie will den muslimischen Frauen in der Gruppe die Kopftücher verbieten, setzt allen blonde Perücken auf. Unter der Perücke werden sie zu lächelnden Dämchen mit klimpernden Augen, Opfer der Barbie-Ideologie. Die Touristen-Attraktion wird zu einem Irrgarten. Von einem Bildschirm über der Bühne blickt ein Barbie-Kopf vor einem grell-rosa Hintergrund und präsentiert die Attraktionen: einen Herd zum Cup-Cake-Backen, einen Laufsteg, ein Model-Wettbewerb – urkomisch überzeichnet mit Parodien von Heidi Klum und Jorge Gonzalez.

Aber den Frauen gelingt der Befreiungsschlag. Das Stück gipfelt in einem selbst geschriebenen Rap, die Schauspielerinnen springen durch die Zuschauerränge und performen ein Manifest: gegen Schönheitswahn und Kosmetikindustrie, gegen das Bild der unmündigen Frau, die nicht rülpsen und pöbeln darf, gegen einen Arbeitsmarkt, der Frauen den Zugang zu bestimmten Berufsgruppen noch immer verwehrt.

„90/60/90: Rollenscheiß!“ ist eine Kampfansage an hartnäckige Rollenbilder und ein vorgelebter Befreiungsakt, frech und selbstbewusst auf die Bühne gebracht.

Foto: Dave Großmann