5 Thesen nach
„Matters of Engagement“

5 Thesen, die ich aufstelle, weil die performative Konferenz „Matters of Engagement“ so anregend war, dass ich mich nicht zurückhalten kann:

1. Tänze tragen keine feste Bedeutung. Dieselbe Bewegungsabfolge kann eine Parodie sein, mit der sich schwarze Sklav*innen über die Ballkultur ihrer weißen Herrschaften lustig machen, oder ein Minstrel Show Act, bei dem sich weiße Darsteller*innen über die vermeintlich ungeschickten Bewegungen ihrer Sklav*innen amüsieren. Daher ist es wichtig, a) sich des Kontexts bewusst zu werden, in den man eine Bewegungsabfolge hineinbringt, b) zu wissen, welche Bedeutung man dieser Bewegungsabfolge geben will, und c) abzuschätzen, welche Bedeutung diese Bewegungsabfolge angesichts des Kontexts erlangen kann.

2. Um den Verkehr lahmzulegen, braucht man viele Leute (mehr als 20), die zielstrebig (man muss wissen, was man will – z. B. vier Menschenketten auf den vier Straßen einer Weddinger Kreuzung bilden), diszipliniert (ausgeführt wird strikt nach Plan: erst auf die Straße laufen; dann die Arme einhaken; dann für eine Minute so verharren) und selbstsicher (das Gegenüber muss erkennen können: Wir sind hier und werden siegen) agieren. Masse + Zielstrebigkeit + Disziplin + Selbstsicherheit ist sicherlich die Formel, die schon hinter den Erfolgen von 508 v. Chr. oder 1789 stand.

3. Kunst und Aktivismus sind nicht dasselbe. Es gibt künstlerischen Aktivismus und aktivistische Kunst, aber letztlich fällt man immer auf eine Seite. Um den heute mehrmals erwähnten Lenin zu zitieren: „Ein Mittelding gibt es hier nicht.“

4. Ein Pre-Enactment ist eine Handlung, die sich nur retrospektiv – d. h. aus der Zukunft betrachtet – als antizipatorisch erweist. Man sollte es einfacher haben können. Statt Handlungen, die in Zukunft die Zukunft, die mittlerweile Gegenwart geworden ist, antizipiert haben werden, sollte es Handlungen geben können, die ganz einfach die Zukunft antizipieren. Nur mit solchen einfach gestrickten antizipatorischen Handlungen kann man daran arbeiten, dass ein politisches Ereignis entsteht.

5. Panna cotta schmeckt noch besser, wenn man sie mit Streuseln garniert.