2+x Welten:
»Let me see your
funky monkey«

Wie findet man einen Anfang in einem Gewirr aus Fäden, die nicht aus dem eignen Garn gesponnen wurden?

Wie fühlt sich ein junger Mensch, der mit zwei Beinen auf zwei Kontinenten steht? Gestern Abend hat der Saal gerockt. Mitgefühlt. Gelacht. Ist in die »2+x Welten« mit eingetaucht. Manch eine/r wäre den Schauspielern gerne auf der Stelle ganz nah gekommen.

Das Stück erzählt besonders eindrucksvoll von den Schwierigkeiten, den Abgrund, der zwischen dem idealisierten Deuschlandbild der Verwandten in der Heimat und dem eigenen Wirklichkeitsempfinden klafft, zu überbrücken.
Konzeptuell war es eine Mischung zwischen einer glaubwürdigen Darstellung des faszinierenden und abgründigen »American Dream«, einem jungen Varietè und dokumentarischem Theater, das nicht nur schwarz-weiß malte. Da wurde Eichendorfs »Sehnsucht« rezitiert und ein Liebesgedicht von Erich Fried. Da wurde zu afrikanischer und »westlicher« Musik getanzt, es wurden afrikanische und »westliche« Spiele gespielt und afrikanisches Essen im »europäischen Stil« gekocht. Die ZuschauerInnen konnten die Alltagswelt der jugendlichen Jungen miterleben, ihre Versuche, in Deutschland anzukommen, ohne den inneren Bezug zu ihren afrikanischen Wurzeln zu verlieren. Die Gefühlswelt der Protagonisten wirkte dabei weder aufgesetzt noch abgeflacht. Mal waren die jungen Männer ruppig, mal zart. Es wurde weder angeklagt, noch gab es selbstmitleidige Klagen, dafür aber sehnsuchtsvolle Briefe an die Mutter, die tausende Kilometer weit weg wohnt.

Auf konkrete Gegenspieler konnte das Stück getrost verzichten. Die Struktur war dynamisch. Mal wurde für wenige Momente der Freund zum Feind. Mal war das Heimatland der geliebte und vermisste Sehnsuchtsort, mal war er nicht mehr als ein verblasster Teil der Vergangenheit.

Durch das schlichte Bühnenbild und die rhythmische Musik entstand eine gewisse sinnliche Magie, der man sich wohl nur schwer hätte entziehen können. Eine in der Tat bemerkenswerte und beispielhafte Inszenierung.

Foto: Dave Großmann