2+x Welten: Bounce!

1. Entscheidendes (I)

Echte oder fast echte oder zumindest nahe Geschichten auf dem Theater zu zeigen, ist eine schwierige Aufgabe. Das Problem ist oft, dass man als Zuschauer das Gefühl bekommt, dass einem Menschen, Menschenleben ausgestellt werden.

Das ist gestern nicht passiert, der Umgang mit eigener Biographie und der so überaus komplexen Thematik war diskret, abstrakt, reflektiert, differenziert, trotz der (BÄNG, so sehr großartigen, s.u.) Schau- und Hörwerte. Da wurden alle möglichen Fässer aufgemacht, vom Konsum-Denken über Liebe, Heimat, Familie, Spieltrieb, Zukunftsträume, Scheitern an diesen Träumen, Freundschaft, Minijob, Sterben bis zur Vater-Sohn-Beziehung. Manche der Themen wurden wiederholt und variiert, was nicht immer zur Verdichtung und Verdeutlichung führte, sondern das Stück ein wenig in die Länge zog.

Als es vorbei war, war man nicht enttäuscht, weil keine einfache Lösung geboten und keine Moral präsentiert wurde, sondern begeistert, weil das eben nicht passiert ist. Und weil ich meinem Nichtverstehen afrikanischer Sprachen ausgesetzt war. Weil niemand einfach gut oder schlecht, Kapitalist oder Opfer des Kapitalismus war. Weil auf Eichendorff 50 Cent folgt und man letzteren nachher ohne Armani-Mantel in die Hölle schickte. Weil es so sehr witzig und ernst und diskret und ehrlich und alles war.
Yeah, so inhaltlich.

2. Entscheidendes (II)

So sehr schön, das Tanzen, Rappen, Singen. Durchrollen unter Liegestützspringen. Baby, you‘re my Nr. 1. Individualität und Kollektivität in wunderbaren, ironischen, lauten, richtig gut gemachten – so handwerklich – Tanzszenen. Diese Sakkos; ich will dies grün-metallische haben. Der Vortrag von Eichendorff-Gedichten. All der Spaß, all das Toben, all die Kraft, all die Körperlichkeit.

Yeah, Yeah, so sonst.

3. doch auch Wichtig

Wenn man gestern aus dem Theater kam, konnte man lauter verzückte Gesichter sehen. Manche haben dann, als wir die Stimmen zum Stück gesammelt haben, aber nur von Six-Packs, von afrikanischer Körperlichkeit (im Gegensatz zu anderen Körperlichkeiten?) geredet, und sie klangen dabei bei aller Begeisterung ziemlich patronisierend. Das ist natürlich nicht die Schuld des Stücks, aber diese Theatersituation erlaubt ein solches Erleben eben doch. Was entweder thematisiert oder verhindert werden müsste.

Foto: Dave Großmann