„#2 Von der Schönheit und Seltsamkeit des Anlehnens“: Verblüffende Erkenntnisse

Verblüffende Erkenntnisse über die gestrige Performance – oder auch: Über die Kunst des Anlehnens …

1. Das Anlehnen kann einen Versuch darstellen, der Schwerkraft zu entfliehen und durch Berührung und Vertrauen in jedem Augenblick zum Schöpfer*zur Schöpferin neuer Bewegungen zu werden.

2. Die Ästhetik von Alltagsbewegungen sollte niemals unterschätzt werden. Gehen, Sitzen, Stehen, oder Liegen können – wie bei „#2 Von der Schönheit und Seltsamkeit des Anlehnens“ des ACADEMY Produktionshauses Berlin – virtuos zu einem unendlichen Bewegungsfluss verflochten werden und so einen enormen künstlerischen Wert erhalten.

3. Improvisation kann auf der Bühne fabelhaft gelingen, sofern der Wunsch gegeben ist, eine Forschungsreise über die Beziehung von Körper(n) und Umgebung zu wagen.

4. Anlehnen ist (körperliches) Sprechen. Manchmal wild, athletisch, erschöpfend. Manchmal ruhig und meditativ.

5. Eine Hüfte in der Hand, das Beäugen einer Achselhöhle, oder auch das entspannte Anlehnen des Kopfes an eine Bauchdecke überschreiten den gewöhnlichen Austausch gedanklicher Lebenssphären und erzielen stattdessen eine gegenseitige physische Kommunikation von Haut, Gewebe und Knochen.

6. Ein Drei-Parteien-Sofa bietet, Dank Anlehnung, Platz für wesentlich mehr als drei Personen.

7. Anlehnen schafft Begegnung und lässt Beziehungen entstehen. Minütlich. Und nicht etwa – wie bei Parship – alle 11 Minuten.