#2 Von der Schönheit und
Seltsamkeit des Anlehnens –
Man muss natürlich
Bock haben!

Felipa und Han im Gespräch mit der Blogredaktion.

Redaktion: Ihr habt das Tanztreffen 2017 eröffnet, wie ist „der Morgen danach“?
Felipa: Leicht verkatert halt. Die letzten Tage waren sehr, sehr stressig und super aufregend, gerade mit dieser großen Bühne. Eigentlich haben wir immer vor so 70 Leuten gespielt. Gestern dann 400, da mussten wir  unseren inneren Scheinwerfer ganz neu einstellen, sonst kommt in den hinteren Reihen gar nichts an. Ich war super nervös.
Han: Für mich ist es eine große Entlastung zu wissen, dass wir jetzt entspannen und genießen können. Und nicht mehr daran denken müssen, weich zu sein, körperlich.
Felipa: Es war aber auch toll auf dieser Bühne zu spielen. Vor so vielen Leuten.

Wie schafft man es, die Energie für den großen Saal hochzufahren?
Han: Man muss natürlich Bock haben! Jeder von uns möchte auf der Bühne sein. Spaß zu haben ist auch wichtig. Konzentriert sein und wissen, was man gerade macht. Was ich auch super mag ist, mit dem Publikum zu spielen. Die Leute, die dort sitzen, müssen sich angesprochen fühlen. Also mit den Augen zu spielen. Das ist das, was den Kick gibt.
Felipa: Uns bewusst zu machen, wer  uns gerade anguckt. Spaß haben ist eine Sache, aber die Leute einzuladen, zu sagen: Guck Mal! Ich bin hier und ich sehe euch, aber ich lasse mich auch ansehen. Das ist dann so eine ganz bestimmte Anspannung, das könnte man als Präsenz bezeichnen.

Wie habt ihr die Nähe aufgebaut in diesem Stück? Im Programmheft haben wir gelesen, dass ihr euch teilweise kanntet und teilweise nicht.  Wie entsteht dieses Vertrauen in der Gruppe, das wir in eurer Inszenierung gesehen haben?
Han: Sich annähern, ganz langsam annähern. Bei Kontakt-Impro geht es ja auch darum, sich anzufassen, sich zu spüren. Und irgendwann ist es einem total egal. Dann passiert es einfach.
Felipa: Das ist ja, worum es bei ACADEMY geht: Mutig sein. Über den eigenen Schatten springen. Im Casting war es noch holprig, weil wir noch nicht gelernt hatten, weich zu sein, in den Boden zu gehen und Gewicht abzugeben. Dann sind wir auch mal aneinander zu Boden…
Han: …geklatscht.
Felipa: Grundsätzlich gibt es in der ACADEMY-Familie sehr wenig Hemmungen. Mittlerweile kennen wir uns sehr gut.
Han: Auch die Körper der anderen, ihre Bewegungen.

Wie sind die Texte des Stücks entstanden?
Han: Meistens haben wir uns am Ende der Proben Zeit genommen, einen Text zu schreiben zu einem bestimmten Thema…
Felipa: Oft hatten wir so Übungen wie Schreiben ohne abzusetzen, zum Beispiel, das „ Sofa mit Stoppeln, Bein mit Stoppeln, Hand auf Sofa“ aus der Vorführung. Einmal sollten wir Kontaktimpro poetisch und dann, wie wir es unserer Oma erklären würden, aufschreiben.

Lachen.

Felipa: Wir haben ganz viel rumgesucht, welche Themen uns wichtig sind und frei assoziiert, einfach Adjektive zu Sofas gesammelt zum Beispiel. Eliane und Susanne [Eliane Hutmacher und Susanne Martin, Choreografinnen, Anm. d. Red.] haben ganz großartig von außen geschaut, was passt zusammen, was ist interessant.
Han: Gemeinsamkeit und Einsamkeit waren wichtige Stichworte.

Wie können sich Text und Tanz bereichern? Was ist der Vorteil der Kombination?
Felipa: Zugänglichkeit, finde ich.
Han: Ich habe einen Film unserer Performance gesehen und ohne den Text wäre es vielleicht… nicht so verständlich gewesen?
Felipa: Na ja, abstrakter auf jeden Fall. Die Texte versteht man gleich.

Über das Gespräch haben wir die Zeit vergessen. Han und Felipa müssen schnell in ihre Workshops. Wir bedanken uns für das Interview und freuen uns auf viele weitere.


Foto: Dave Großmann