10 Gründe, warum das TjA besser ist als jede andere überregionale Literaturveranstaltung die zeitgleich in Berlin stattfindet

  1. Wir behaupten nicht, dass wir ein „offenes Mikro“ hätten und lassen dann doch nur über zwei Tage die geladenen Teilnehmenden lesen. Wir igeln uns lieber in unser Festspielhaus-Nest ein, lassen uns dafür aber beim Denken durch die vollverglasten Fensterfronten beobachten. Bitte nicht an die Scheibe klopfen. Füttern nicht nötig.
  2. Bei uns gibt es Preisträger*innen und keine Finalist*innen. Gewonnen hat, wer da ist. Versteht sich eigentlich von selbst, bei den kulinarischen und intertextuellen Orgien die hier jeden Abend stattfinden.
  3. Wir haben keine alljährlichen Verrisse in Zeit, Tagesspiegel und FAZ nötig. Analoge Aufmerksamkeit ist uns lieber.
  4. Dreiviertel von uns kommen nicht von einer dieser ausgeflippten Schreibschulen. Wir studieren VWL, soziale Arbeit und Rechtspflege. Das nicht nur authentisch, sondern sinnvoll.
  5. Wir arbeiten nicht an Romanprojekten über unsere Einzelkind-Adoleszenz zwischen rotweinbefleckten Reclambänden und Wochenendausflügen nach Westerland. Und wenn doch, verschweigen wir es lieber. Außerdem ergeben die Begriffe früher und pränatal für uns keinen Widerspruch.
  6. Wir kommen nicht alle aus Berlin. Manche von uns wohnen in Kuhdörfern, und zwar nicht aus Überzeugung, sondern weil sie da herkommen.
  7. Unsere Grafikdesigner*innen haben keine Angst vor Farben.
  8. Wir dürfen auf die Erfahrung verzichten, auf dem Weg zu einer bescheidenen Lesereise im ÖBB nightjet irgendwo zwischen Linz und St. Pölten das Titelblatt der Kronen Zeitung rezitiert zu bekommen. Und wer fährt bitte für eine Lesung nach Wien?
  9. Bei uns bringen Lektor*innen keine Visitenkarten mit, sondern ihre Kinder.
  10. Wir, die TjA-Blogredaktion, bekommen für diesen investigativen Qualitätsjournalismus mehr als ungewaschene Händedrücke von Verlagspraktikant*innen. Und unsere Freunde aus Berlin blockieren uns danach nicht wegen der Sache in ihrer WG-Dusche auf Facebook. Wir bekommen höchstens Hausverbot in den besten Adressen zwischen Kudamm und Schaperstraße.
  11. Wer ist eigentlich dieser Mike?